Verhandlungen in Athen: «Stunde der Wahrheit»

 Athen (dpa) - In Griechenland gehen die seit Wochen andauernden Gespräche über einen Schuldenschnitt und weitere Milliardenhilfen der internationalen Kreditgeber weiter.

Finanzministers Evangelos Venizelos verhandelte bis in die frühen Morgenstunden mit Experten der sogenannten Troika aus Vertretern der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB). «Nach zwölf Stunden kontinuierlicher und harter Verhandlungen kann ich sagen, dass wir viele Themen gelöst haben», sagte der Minister am Samstagmorgen. Es gebe aber einige kritische Themen, die noch nicht gelöst seien. Venizelos sprach von der «Stunde der Wahrheit».

Wie Venizelos weiter mitteilte, werde es eine Telekonferenz der Eurogruppe am Samstagnachmittag geben. Dabei wird er nach Informationen aus Kreisen des Finanzministerium in Athen seine Amtskollegen der Eurogruppe über den Werdegang der Verhandlungen mit der Troika informieren.

Am Samstagnachmittag sollte es auch ein Treffen des griechischen Ministerpräsidenten Lucas Papademos mit den Vorsitzenden der Parteien geben, die seine Regierung unterstützen - Sozialisten, Konservative und eine kleine rechtsgerichtete Partei. Dabei sollen weitere harte Sparmaßnahmen beschlossen werden, die hauptsächlich den privaten Sektor betreffen. Die Einschnitte sollen nach Schätzungen der Gewerkschaften bis zu 25 Prozent weniger Lohn mit sich bringen. Zudem sollen bis 2015 etwa 150 000 Staatsbedienstete entlassen werden.

Auch der Geschäftsführer des Internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, wird am Samstag in Athen erwartet. Am Abend sollte er sich mit Papademos treffen. Eine Einigung auf einen freiwilligen Schuldenschnitt mit den privaten Gläubigern, darunter Banken und Hedge-Fonds, ist auch Voraussetzung für weitere Hilfen der Troika. Parallel war eine Debatte über eine mögliche Beteiligung der EZB entfacht, die Schätzungen zufolge der größte Gläubiger Athens ist. Nach einem Bericht der griechische Zeitung «Ta Nea» könnte das Volumen des Schuldenschnitts unter anderem mit EZB-Beteiligung von 100 auf 170 Milliarden Euro ausgeweitet werden. Dies wollte das Finanzministerium in Athen am Samstag nicht kommentieren.

Quelle: dpa-AFX

Wirtschaft: Energiewende könnte Jobs kosten

 Berlin (dpa) - Die Wirtschaft warnt vor einem massiven Verlust von Arbeitsplätzen durch die geplante Energiewende. Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, nannte im «Focus» zur Begründung die hohen Stromkosten, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit mindern.

Trotz staatlicher Ausnahmeregeln beim Strompreis zahle die deutsche Industrie mit die höchsten Strompreise in Europa. Diese enormen Kostenunterschiede führten dazu, dass in Deutschland Arbeitsplätze verschwinden. «Deshalb ist es fahrlässig zu behaupten, dass die Energiewende allenfalls ein paar alten Industrien die Existenz kosten werde.»

Als Beispiel nannte Keitel Edelstahl aus Deutschland, der «bei den Energiepreisen auch mittelfristig nicht mehr konkurrenzfähig ist». So koste dem Konzern ThyssenKrupp die Megawattstunde Strom am Standort Krefeld rund 80 Euro, in Italien nur 60 Euro und in den USA nur 40 Euro.

«Wir sehen in der Industrie in der Energiewende große Chancen und wollen sie mit aller Entschlossenheit ergreifen», versicherte Keitel. Jedoch gehöre dazu auch die Diskussion über die Kosten-Gefahren. «Und ich wäre dankbar, wenn die Bundesregierung unsere Sorgen ernst nehmen würde.» Gefährlich sei zudem, dass die Politik dem Irrglauben anhänge, man könne eine Energiewende politisch bewirken. «Die Umsetzung muss in der Wirtschaft passieren, bei den Unternehmen, die investieren.»

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel warf der schwarz-gelben Bundesregierung erneut Versagen in der Energiepolitik vor. «Die Energiewende fährt gerade mit Hochgeschwindigkeit vor die Wand», sagte er dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Samstag). Deutschland habe keine Planung für Stromspeicher, der Netzausbau gehe nicht voran, für die Energieeffizienz werde nichts getan. «Energiepolitisch ist die Merkel-Regierung eine Tu-Nix-Koalition», sagte Gabriel. «Nichts von dem, was Deutschland braucht, um den Atomausstieg hinzubekommen, wird umgesetzt.»

Der SPD-Chef warf Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vor, sich täglich gegenseitig lahm zu legen. «Deutschland braucht ein Energie-Ministerium.»

NEWS!

Streik droht Luftverkehr in Frankreich lahmzulegen

Paris (dpa) - Ein Streik droht in der kommenden Woche große Teile des französischen Luftverkehrs lahmzulegen. Mehrere Gewerkschaften bestätigten am Freitag einen Aufruf zu Arbeitsniederlegungen.

Die Aktionen sollen in der Nacht zu Montag beginnen und mindestens bis Donnerstagabend andauern. Neben dem Bodenpersonal sind auch Piloten und Flugbegleiter zur Teilnahme aufgerufen.

Hintergrund des Arbeitskampfes ist ein Gesetzesprojekt der französische Regierung. Sie will Streikaktionen im nationalen Luftverkehr zugunsten der Reisenden stark einschränken. Mitarbeiter, die streiken wollen, müssen danach ihre Aktionen individuell mindestens 48 Stunden vorher bekanntgeben. Die Arbeitgeber wiederum sollen verpflichtet werden, mindestens 24 Stunden vorher entsprechende Vorsorge zu treffen und Verkehrsvorhersagen zu machen.

Der letzte große Ausstand des Air-France-Flugpersonals zu Allerheiligen hatte Tausenden Reisenden die Kurzferien verdorben und die nationale Airline nach deren Schätzungen mehr als 20 Millionen Euro gekostet. Das neue Gesetz wurde bereits von der Nationalversammlung verabschiedet. Im Senat soll es Mitte Februar diskutiert werden.

Quelle: dpa-AFX

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NEWS: BaFin

FRANKFURT/MAIN (dpa-AFX) - Die deutschen Banken können ihre Kapitalpuffer für Krisenzeiten nach Einschätzung der BaFin aus eigener Kraft stärken. “Aus den Plänen, die uns die Institute vorgelegt haben, geht hervor, dass es ihnen gelingen sollte, die von der EBA empfohlene Kapitalisierung aus eigener Kraft zu erreichen”, sagte die seit Januar amtierende Präsidentin der Finanzaufsicht, Elke König, am Donnerstagabend in Frankfurt. Die europäische Bankenaufsicht EBA fordert von Europas Banken bis Ende Juni 2012 eine harte Kernkapitalquote von 9,0 Prozent. Beim jüngsten Stresstest im Dezember machten die Aufseher bei sechs deutschen Instituten eine Kapitallücke von insgesamt 13,1 Milliarden Euro aus. Die größte Lücke klafft dabei bei der Commerzbank.

König sagte, gefährlich würde es nur dann, wenn der sinnvolle Abbau von Risiken zu einer Verknappung von Krediten führen würde. “Doch eine Kreditklemme erleben wir derzeit nicht”, sagte König. Es bestehe auch kein Grund zur Sorge, dass die EBA-Anforderungen zu weniger Krediten führten./ben/DP/he
Admininfo - Quelle: dpa-AFX (562)

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NEWS!

Mehr Milliarden für Griechenland gesucht

BildBrüssel/Athen (dpa) - Für Griechenland wird die Lage wird immer bedrohlicher: Das hochverschuldete Euro-Land braucht noch mehr neues Geld als bisher angenommen.

Auch bei den Verhandlungen über den dringend benötigten Schuldenschnitt und den Bericht der internationalen Geldgeber von EU und IWF ist kein Abschluss in Sicht, trotz gegenteiliger Hoffnungen Athens. Ministerpräsident Lucas Papademos soll nach Informationen aus Athener Regierungskreisen mit Rücktrittsdrohungen Druck ausüben, um zumindest eine Einigung in den eigenen Reihen zu den weiteren Sparmaßnahmen zu erzwingen.

Die ernüchternde Nachricht kam am Freitag aus Luxemburg: Es werde kein Treffen der Euro-Finanzminister an diesem Montag (6.2.) in Brüssel geben, teilte der Vorsitzende der Ministerrunde, Luxemburgs Premier- und Schatzminister Jean-Claude Juncker mit. Das bedeutet, dass bis zum Wochenbeginn nicht mit belastbaren Ergebnissen bei den Griechenland-Verhandlungen gerechnet wird. EU-Diplomaten warnten vor weiteren Verzögerungen: «Die Zeit läuft ab.»

Das geplante zweite Hilfspaket könnte einen Umfang von 145 bis 150 Milliarden Euro haben, sagten EU-Diplomaten am Freitag in Brüssel. EU und IWF waren bisher von 130 Milliarden Euro ausgegangen. Grund für den Mehrbedarf ist vor allem die verschlechterte wirtschaftliche Lage.

Seit Tagen war über ein Euro-Sondertreffen spekuliert worden. Nach ergänzenden Angaben von Diplomaten wollen die Finanzminister über das zweite Griechenland-Hilfspaket beraten. Bis dahin müssen aber die Verhandlungen in Athen über einen Schuldenschnitt abgeschlossen werden. Und die Erwartungen waren groß, dass die «Troika» der Experten von der EU, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) spätestens am Sonntagabend ihren Bericht über die Sparbemühungen Athens als Voraussetzung für das neue Milliarden-Hilfspaket vorlegen wird.

Die Troika verhandelt seit Wochen in Athen über das neue Hilfspaket. Laut Diplomaten pochten die Kommissionsvertreter vor allem auf die Budgetsanierung, während die IWF-Mitglieder auf Strukturreformen drängen.

Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Martin Kotthaus, betonte am Freitag in Berlin, ein Ministertreffen zu Griechenland mache erst Sinn, wenn alle Voraussetzungen erfüllt seien. Dazu zählten sowohl der Bericht der Troika als auch eine Einigung zwischen griechischer Regierung mit den Banken über einen freiwilligen Schuldenerlass. «Alle diese Elemente sind noch nicht da», sagte Kotthaus. In Regierungskreisen hieß es dazu, die Troika brauche womöglich noch mehr Zeit, um zu einer gemeinsamen Haltung zu kommen. Der IWF soll erhebliche Bedenken an der Schuldentragfähigkeit Griechenlands haben.

Umstritten sind vor allem Lohnkürzungen im privaten Sektor. Vor allem die Sozialisten verweigern sich bislang eine Zustimmung. Auch in den Gewerkschaften gibt es Protest. Die «Troika» fordert die Reduzierung des Mindestlohnes von gegenwärtig brutto 751 Euro auf weniger als 650 Euro. Zudem sollen das 13. und 14. Monatsgehalt sowie Renten gekürzt werden. Der griechische Ministerpräsident Papademos will die neuen Sparmaßnahmen vom Parlament absegnen lassen.

Papademos soll nach Informationen aus Athener Regierungskreisen mit Rücktrittsdrohungen Druck auf die regierungsstützenden Parteien ausüben, um seine Sparpolitik durchzusetzen. In der griechischen Presse gab es zudem Informationen, wonach Papademos plane, am Montag zurückzutreten, wenn die Sozialisten und die Konservativen seinen mit den internationalen Geldgebern ausgehandelten Spar- und Stabilisierungsplan nicht voll unterstützten.

In Brüssel wurde deutlich, dass die Einbeziehung von Banken und Versicherungen - sie nehmen den Schuldenschnitt hin - nicht ausreicht, um Griechenland auf die Beine zu bekommen. «Die Privatsektorbeteiligung reicht nicht aus, um den Schuldenstand bis zum Ende des Jahrzehnts auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken», sagte ein Experte.

Die Geldgeber setzen darauf, dass auch die EZB und nationale Notenbanken an Bord kommen. Da die EZB griechische Staatsanleihen unter Marktwert gekauft habe, könnte sie auf künftige Gewinne verzichten. Das Vorhaben ist aber heikel, da die Notenbank unabhängig ist und von der Politik nicht gezwungen werden kann, bei der Griechenland-Rettung mitzuziehen. Athen hat bereits in einem ersten Rettungspaket Kredithilfen in Höhe von 110 Milliarden Euro erhalten.

Kotthaus bestätigte, dass noch am Freitag in Berlin die Finanzminister von Deutschland, Niederlande, Luxemburg und Finnland über die Schuldenkrise, den Rettungsfonds ESM und Griechenland beraten wollten. Es sind jene vier Euro-Länder, die noch die höchste Kreditwürdigkeit («AAA») bei den Ratingagenturen besitzen.

Quelle: dpa-AFX

NEWS: SchwarmStrom, ZuhauseKraftwerk

Es sind nur kleine Aggregate, die im Keller verschwinden sollen. Die Hamburger Firma Lichtblick verspricht sich von ihnen aber eine Revolution der deutschen Energieversorgung: “Zuhause-Kraftwerke”, die mit dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Heizenergie in Wohnhäusern liefern. Schaltet man viele kleine Einheiten zusammen, könnten sie sogar den umfangreichen Netzausbau überflüssig machen.

“Heizung gestört? Kein Problem: TankTrans hilft sofort”. Dieser Hinweis klebt an der Kellertür. Aber das ist längst Geschichte: Im Keller der Kirchgemeinde Hamm in Hamburg hat die Zukunft begonnen. Dort, wo früher die Gastherme arbeitet, steht jetzt ein Kraftwerk. “Sollte es Probleme geben, meldet das ein Signal an die Zentrale”, sagt Gero Lücking. Der Vorstand des Ökostrom-Anbieters Lichtblick steht im Hamburger Kirchenkeller vor einem grauen Kasten, dem sogenannten “ZuhauseKraftwerk”. Neuerdings handeln die Hamburger nicht nur mit klimafreundlichem Strom – sie produzieren ihn auch selbst.

Und Lichtblick will mit den Zuhause-Kraftwerken mal eben die Stromversorgung revolutionieren. “Dahinter steckt die Idee des Schwarms”, sagt Lücking: In jedem der 19 Millionen Gebäude in Deutschland ein eigenes Kraftwerk im Keller und die Eons und Co. wären arbeitslos. “Die Zukunft der Energieversorgung ist dezentral”, sagt Lücking – und die soll hier in Hamburg den Anfang nehmen.

Sechs Wärmetanks stehen im Hamburger Kirchenkeller, jeder kann 1.000 Liter warmes Wasser speichern. Daneben thronen zwei jener Kraftwerke, die Lücking als “die Zukunft” bezeichnet: Doppelkraftwerke, die auf dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung arbeiten und sowohl Strom als auch Warmwasser erzeugen.

Doppelkraftwerke machen sich den Wärmeabfall zu Nutze

Jedes der beiden Doppelkraftwerke hat eine Strom-Produktions-Leistung von 19 Kilowatt, die Wärmeleistung liegt bei 34 Megawatt. “Unser Interesse ist natürlich, so viel Strom wie möglich zu produzieren – und zwar immer dann, wenn der Markt ihn benötigt”, sagt Lücking. Die Interessen der Mieter oder Besitzer aber gehen vor. Wie viel Strom Lichtblick erzeugen kann, hängt allerdings vom Wärmebedarf im Gebäude ab. Dank der Wärmespeicher muss das Kraftwerk aber nicht genau dann anspringen, wenn warmes Wasser oder eine warme Wohnung gebraucht wird. Wichtig ist, dass die Wärme vorgehalten wird. Nur Strom oder nur Wärme können Doppelkraftwerke nicht produzieren – sie liefern immer beides. Bei Lichblick geht der Strom direkt ins Netz, die Wärme wird gespeichert – und kann dann später abgerufen werden. Das Prinzip der Doppelkraftwerke sorgt für einen extrem hohen Wirkungsgrad: 90 Prozent der eingesetzten Energie werden nutzbar gemacht, in einem normalen Kohlekraftwerk sind es gerade einmal 35 Prozent. Was dort als Wärmeabfall – verniedlichend als “Abwärme” bezeichnet – über die Kühltürme in die Umwelt geblasen wird, machen sich Doppelkraftwerke zunutze.

Zwar werden die ZuhauseKraftwerke mit Erdgas angetrieben – also einem fossilen Energieträger. “Wegen des extrem hohen Wirkungsgrades bescheinigen die Umweltverbände der Kraft-Wärme-Kopplung aber Ökostrom-Charakter”, sagt Lücking. Das ist ein bisschen übertrieben – natürlich wird durch ein ZuhauseKraftwerk mehr Kohlendioxid für die gleiche Energiemenge frei als wenn ein Wohngebäude durch Solarthermie beheizt werden würde. Perspektivisch können Zuhausekraftwerke aber auch mit Biogas betrieben werden. Lichtblick bietet bereits einen Biogas-Tarif an.

Der eigentliche Clou der ZuhauseKraftwerke ist aber, dass sie Netzschwankungen ausgleichen können – ein entscheidender Vorteil für die Energiewende. “Bläst der Wind einmal nicht oder ist der Himmel wolkenverhangen, muss Strom aus anderen Quellen kommen”, sagt Lücking. Da sei es erstens besser, fossile und flexibel steuerbare Doppelkraftwerke mit 90 Prozent Wirkungsgrad einzusetzen. “Zweitens sind unsere Kraftwerke binnen 60 Sekunden auf Nennleistung”, also quasi sofort einsatzbereit. Das sei wesentlich für die Versorgungssicherheit. “Netzschwankungen müssen schnell ausgeglichen werden”, sagt Lücking. Moderne Gaskraftwerke brauchen aber eine Stunde, um angefahren zu werden, Kohlekraftwerke vier Stunden, Atomkraftwerke fast einen ganzen Tag. Viel zu lange also, um kurzfristige Lastschwankungen auszugleichen.

Lücking steht also im Keller einer Hamburger Kirchgemeinde vor zwei Kraftwerken mit einer Leistungsfähigkeit von 19 Kilowattstunden. Und das soll die Energiezukunft sein? Die beiden kleinen Aggregate eine Revolution? “Moment”, sagt der Lichtblick-Vorstand, “neue Lösungen brauchen neues Denken”. Natürlich sind die zwei Blockheizkraftwerke im Kirchenkeller nur zwei von vielleicht zehntausend oder Millionen Puzzlesteinen. “Jeder Keller in Hamburg auf ein Zuhause-Kraftwerk umgerüstet – wir könnten ganz Norddeutschland mit Strom versorgen”.

“Gegen diesen Kraftwerksneubau wird nie eine Bürgerinitiative demonstrieren”

Gesteuert werden die Kellerkraftwerke von der Hamburger Lichtblickzentrale. Zusammengeschaltet haben die ersten 300 Anlagen mittlerweile eine Leistungsfähigkeit von 6 Megawatt – so viel wie ein großes Windrad. Aktuell kommen wöchentlich zehn neue Kraftwerke hinzu, Lichtblick will 2014 bereits 400 Megawatt Leistung am Netz haben – vergleichbar mit einem Kohlekraftwerksblock. “Das Schöne an unserem Kraftwerk ist, dagegen wird nie eine Bürgerinitiative demonstrieren”, sagt Lücking. Es ist ja unsichtbar im Keller.

Aber warum sollten die Leute Lichtblick ihren Keller zur Verfügung stellen? “Das ist von Vorteil”, sagt Jürgen Janßen, Küster und Hausmeister der Kirchgemeinde Hamm. Als die energetische Sanierung des Gemeindehauses anstand, habe der Architekt Zuhausekraftwerke empfohlen. Die Argumente hätten den Kirchenvorstand überzeugt. “Wir brauchten eine neue Heizung, allein die Gastherme hätte 7.500 Euro gekostet. Lichtblick hat uns das Zuhause-Kraftwerk für 5.000 Euro angeboten”, sagt der Küster, habe sämtliche Arbeiten kostenfrei übernommen, die Gemeinde habe sich nicht einmal um irgendetwas kümmern müssen. Janßen: “Und das Schöne ist, pro erzeugter Kilowattstunde Strom verdienen wir einen Cent. Lichtblick zahlt uns sogar noch Miete für die Anlage”.

Eine eher symbolische: 5 Euro gibt es pro Zuhause-Kraftwerk im Monat. Immerhin bietet Lichtblick ein Rundum-Wohlfühl-Paket: Wartung, Störungsdienst, Erneuerung – alles wird vom Ökostromhändler gezahlt. Dafür bleibt die Anlage im Besitz von Lichtblick – trotz der 5.000 Euro, die die Kirchgemeinde für die Installation gezahlt hat. “Das ist unser Geschäftsmodell”, sagt Lücking. Als Anlagenbesitzer kann Lichtblick jederzeit dem ZuhauseKraftwerk sagen: “Produzier-jetzt-Strom”. Dann produziert die Anlage auch die Wärme für die Mieter oder Besitzer – sozusagen als Nebenprodukt. Und der Mieter oder Besitzer zahlt einen Wärmetarif, der an den ortsüblichen Gastarif angelehnt ist.

Aufgebaut ist das Zuhause-Kraftwerk aus drei Modulen: Ganz unten – der größte Teil – ist das Kraftwerk, darüber die Hydraulik – also die Pumpen, die die Wärme auch so umwälzen, dass sie bei dem Mieter als wohlig warme Zimmertemperatur oder Duschwasser ankommen. Entscheidend für Lichtblick ist aber das dritte Modul – die elektronische Steuereinrichtung. Lücking bezeichnet sie als “Kommunikationszentrale”.

Punktgenaues Signal aus der Schaltzentrale

Diese Kommunikationszentrale ist auch der Schlüssel zur Lichtblick-Geschäftsidee. Der Strompreis richtet sich an der Handelsbörse nach Angebot und Nachfrage. Bläst viel Wind, ist das Netz mit Windstrom voll – der Preis geht in den Keller. Ist Flaute, klettert der Handels-Preis – exakt jener Moment, in dem Lichtblick seine ZuhauseKraftwerke ans Netz schaltet. Statt 5 Cent verdient Lichtblick dann beispielsweise 8 Cent je Kilowattstunde, zudem werden Doppelkraftwerke mit dem so genannten KWK-Bonus gefördert – 5,11 Cent je Kilowattstunde.

Von Lichtblick selbst entwickelt, werden die Zuhausekraftwerke von VW in Salzgitter gebaut. Volkswagens Anspruch ist, die effizientesten Motoren der Welt zu bauen. “Die verwendeten 2,0 l Gasmotoren haben sich millionenfach in unseren Modellen Touran und Caddy bewährt”, erklärteVW-Vorstandsmitglied Werner Neubauer. Es sei egal, ob diese nun in Autos oder Kleinkraftwerken zu Einsatz kommen. Zwar laufen die Kraftwerke schon in Serie vom Band. “Wir bauen das Geschäftsfeld jetzt schrittweise aus, so dass VW wie geplant die Produktion erhöhen kann”, sagt Lücking. 10.000 Anlagen im Jahr seien durchaus denkbar.

Damit diese Zahl spätestens 2014 erreicht wird, hat Lichtblick 150 neue Mitarbeiter eingestellt und in den letzten zwei Jahren 20 Millionen Euro investiert. “Interessant wird ein Zuhausekraftwerk ab einem Wärmebedarf von 40.000 Kilowattstunden pro Jahr”, heißt es in der Kundenberatung – also beispielsweise für ein gut gedämmtes Vier- oder schlecht gedämmtes Zweifamilienhaus. Größere Häuser wie die Kirchgemeinde in Hamburg-Hamm stellen sich eben zwei Geräte in den Keller.

Lichblick investiert ein Vielfaches für das Kraftwerk – und dafür produziert es lediglich stundenweise Strom. “Das rechnet sich aber trotzdem”, sagt Lücking. Die Anlage amortisiere sich innerhalb der Vertragslaufzeit von 10 Jahren, für Kraftwerksprojekte traumhaft schnell. Ein Vorteil sei zudem der Planungsvorteil. Lücking: “Ein Kohle- oder Gaskraftwerk braucht mindestens 3 Jahre Planungszeit. Unser Kraftwerk steht in sechs Wochen”.

Das alles klingt irgendwie nach einem Märchen aus der Energiewirtschaft. Herr Lücking, wo ist denn der Haken an der Sache? Verschmitzt lächelt der Lichtblick-Vorstand ein bisschen. “Ich sehe keinen”, sagt Lücking. Die Verbindungen des Kraftwerks zum Gebäude seien flexibel über Schlauchleitungen gehalten, damit keine Schwingungen auf das Haus übertragen werden – und so auch keinen Schaden oder Lärm verursacht wird. “Wir könnten uns sogar den ganzen Netzausbau in großem Stile sparen”, sagt Lücking. Einfach ein ZuhauseKraftwerksprogramm in Baden-Württemberg auflegen – und schon wäre Windstrom aus dem Norden überflüssig, um den Strombedarf nach dem Abschalten der Atomkraftwerke zu sichern.

Und dann sagt Lücking: “Geld verdienen wollen wir natürlich auch”.

NEWS!

Institut: Britische Wirtschaft schrumpft

London (dpa) - Die britische Wirtschaft wird nach einer Prognose des angesehenen Forschungsinstituts NIESR im laufenden Jahr leicht schrumpfen. Das National Institute for Economic and Social Research kommt in seiner am Freitag veröffentlichten Jahresvorschau auf ein Minus von 0,1 Prozent.

Die Arbeitslosenquote werde von derzeit 8,4 auf 9 Prozent steigen. Die Wissenschaftler riefen die Regierung von Premierminister David Cameron dazu auf, die Kürzungen zur Haushaltskonsolidierung vorübergehend zu lockern. So sollen private Haushalte zu mehr Konsum und Firmen zum Investieren angeregt werden.

Nachdem die britische Wirtschaftsleistung bereits im vierten Quartal 2011 mit 0,2 Prozent leicht rückläufig war, droht dem Königreich eine Rezession. Die Regierung begründet ihr striktes Sparprogramm, dem bereits zehntausende Jobs zum Opfer gefallen sind, mit dem hohen Schuldenstand. Großbritannien kämpft mit einer Gesamtverschuldung von derzeit rund 83 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Nicht eingerechnet sind die Maßnahmen zur Rettung der Banken.

NIESR geht davon aus, dass Großbritannien 2013 wieder aus der Rezession herauskommt und ein Wachstum von 2,3 Prozent vorweisen kann. Voraussetzung hierfür sei aber, dass die Krise in der Eurozone beigelegt wird.

Weltweit sagt das Institut in diesem Jahr ein Wachstum von 3,5 Prozent voraus. Wachstumstreiber blieben trotz einiger Abkühleffekte China und Indien. In den USA sehen die Experten ein Wachstum von zwei Prozent.

Quelle: dpa-AFX

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NEWS

Automarkt stabil: Zulassungszahl wie vor einem Jahr

Flensburg/Berlin (dpa) - Die deutsche Autoindustrie hat trotz der konjunkturellen Risiken ihre Rekordjagd zu Jahresbeginn zunächst fortgesetzt. Im Januar blieben die Exporte auf dem hohen Niveau des Vorjahres, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) mitteilte.

Die deutschen Pkw-Hersteller führten laut VDA im Januar 324 800 Autos aus, das waren vier Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Überdurchschnittlich stark, um 24 Prozent, erhöhten die deutschen Marken ihren Absatz in den USA, wie der Verband in Berlin berichtete.

Wegen der Schuldenkrisen in Europa und den USA sind die Aussichten für die weltweite Autokonjunktur in diesem Jahr unsicher. In Westeuropa wird ein Rückgang erwartet, auch in China könnte sich das Wachstumstempo verlangsamen.

Die Autokäufer in Deutschland lassen sich ihre Lust am neuen Wagen nicht nehmen. Im Januar wurden nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes 210 195 Personenwagen zugelassen. Das waren 700 Fahrzeuge oder 0,4 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, wie die Behörde am Donnerstag in Flensburg mitteilte. Prozentual erreichten Porsche (plus 15,6 Prozent), Mercedes (13,1) und Audi (4,8) die größten Zuwächse unter den deutschen Marken. Der VDA wies darauf hin, dass die Zulassungszahl um fünf Prozent über dem Januar-Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre liege.

Ausschlaggebend für das Ergebnis im Inland dürfte vor allem die höhere Nachfrage aus Unternehmen sein, erklärte der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK). Das starke Plus beim Absatz von Autos mit Dieselmotor um 6,5 Prozent weise auf einen starken Flottenmarkt und auf die gewerblichen Zulassungen hin. Mit 108 000 Einheiten liege der Dieselanteil bei gut 51 Prozent und damit deutlich über dem Vorjahresniveau.

«Nach dem guten Automobiljahr 2011 freue ich mich über die Steigerung der gewerblichen Nachfrage im Januar», sagte VDIK-Präsident Lange. Er sei sicher, dass diese in den nächsten Monaten hoch bleibe. Dadurch werde der Pkw-Markt weiter stabilisiert.

Quelle: dpa-AFX

Jeder neunte Arbeitsplatz hängt von Tourismus ab

 Berlin (dpa) - Jeder neunte Arbeitsplatz in Deutschland hängt nach einer Studie im Auftrag der Branche vom Tourismus ab.

Wie die «Neue Osnabrücker Zeitung» und die «Leipziger Volkszeitung» (Freitag) berichteten, sind nach der Untersuchung des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft 2,9 Millionen Arbeitnehmer mit der Herstellung von Gütern und Dienstleistungen für Touristen beschäftigt. Hinzugerechnet werden Arbeitsplätze bei Zulieferern und Branchen, die indirekt profitieren, so dass sich eine Zahl von 4,9 Millionen Beschäftigten ergebe.

Urlauber gaben demnach im Jahr 2010 rund 278 Milliarden Euro in Deutschland aus. Der weitaus größte Teil davon entfiel laut Studie mit 241,7 Milliarden Euro allerdings auf den Inlandstourismus. Ausländer ließen dagegen nur 36,6 Milliarden Euro in Deutschland.

Quelle: dpa-AFX

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